Kinder im Frauenhaus
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Presseerklärung zur Situation der Mädchen und Jungen im Frauenhaus hinsichtlich des Kindschaftsrechtes und des Gewaltschutzgesetzes

 

Dieser Artikel beschreibt die Situation der Mädchen und Jungen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind und im Frauenhaus leben.

Wir benutzen den Begriff häusliche Gewalt und meinen damit Männergewalt gegen Frauen und Kinder im vermeintlichen Schutzraum "zu Hause". Wir sind Mitarbeiterinnen im Mädchen- und Jungenbereich autonomer Frauenhäuser in Hessen. Unser Arbeitsgremium ist die Arbeitsgemeinschaft der Mädchen und Jungen der LAG Hessen.

Seit der Änderung des Kindschaftrechtes 1998 haben wir überwiegend negative Erfahrungen damit gemacht. Die Vaterposition, gerade von gewalttätigen Männern, und um diese geht es uns, wurde gestärkt. Das Umgangsrecht wird von diesen Männern häufig als Besitzanspruch auf ihre Kinder gesehen. Die Machtposition wird oft mißbraucht, um über die Kinder die Frau weiterhin unter Druck zu setzen und weitere Gewalt auszuüben. Des weiteren besteht Entführungsgefahr und die Gefahr der Retraumatisierung für die Kinder.

Wir stellen weiterhin fest, dass die Einführung des Gewaltschutzgesetzes ohne eine Verknüpfung und Überarbeitung des geltenden Kindschaftsrechtes zu erheblichen Widersprüchen führen kann. Die Situation der Mädchen und Jungen in Fällen häuslicher Gewalt und Frauenhausaufenthalt wird dabei nicht ausreichend berücksichtigt. Das GewSchG verweist hierbei auf den § 1666 BGB (Kindeswohlgefährdung). Dieser Paragraph bietet keine ausreichende Handlungsgrundlage bei häuslicher Gewalt. Es fehlt die notwendige Verknüpfung zwischen den Schutzanordnungen des GewSchG mit den sorge- und umgangsrechtlichen Regelungen. Dies wird deutlichen an dem Widerspruch, dass einerseits die Frau geschützt werden soll und andererseits der Täter durch Ausübung des Umgangsrechts oder gemeinsames Sorgerechts Zugriff auf die Kinder und Frau hat.

Das derzeitig vorherrschende Leitmotiv "Umgangsrecht für Vater und Mutter - und immer ein gemeinsames Sorgerecht" bedarf dringend einer gesetzlich festgelegten Einschränkung zum Schutz der Mädchen, Jungen und Mütter.

Auf dem landesweiten Treffen der autonomen Frauenhäuser in Hessen 2001 fand auf Grund dieser Erfahrung unter anderem eine Arbeitsgruppe Kindschaftsrecht statt. Um die ohnehin schon schwierige Lebenssituation der Frauen und Kinder in den Frauenhäusern nicht noch zu verschärfen und ihren Schutz auch weiterhin bestmöglichst zu gewährleisten, formulieren wir folgende Feststellungen und Forderungen:

Kinder sind immer von Gewalt betroffen, unabhängig davon ob sie selbst Gewalt erfahren haben oder sie miterlebt haben.

  • Beim Frauenhausaufenthalt muss das Umgangsrecht auf jeden Fall 1/2 Jahr ausgesetzt werden. Anschließend sollte nur nach einer Überprüfung unter Einbeziehung der Fachkräfte, die mit den Mädchen und Jungen in Kontakt stehen, ein begleiteter Umgang angedacht werden.
  • Kein gemeinsames Sorgerecht zwischen Täter und Mutter
  • Wenn die Mädchen und Jungen keinen Umgang mit ihrem Vater wollen, dann sollen sie auch nicht müssen
  • Schutz der Mädchen und Jungen muss gleichen Stellenwert haben wie Schutz der Frau
  • Schutzanordnungen bzgl. des Gewaltschutzgesetzes als eigenes Recht für Mädchen und Jungen
  • Beim Polizeieinsatz unbedingt die Kinder im Blickfeld haben, am besten dafür pädagogisch-psychologisch geschultes Personal bei der Polizei

Forderungen für den begleiteten Umgang:

  • Finanzierung für den begleiteten Umgang muss eindeutig und gewährleistet sein
  • Das Konzept muss eindeutig sein, d.h.:
  1. Professionelle Begleitung
  2. Zusammentreffen von Täter und Frau muss vermieden werden (ggf. zeitliche Verschiebung)
  3. Vorgespräche führen z.B.: Austausch und Zusammenarbeit mit den Frauenhausmitarbeiterinnen
  4. Reflexionsgespräche mit Mutter, Mädchen, Jungen und Frauenhausmitarbeiterinnen
  5. Der Fokus muss auf dem Kind liegen, Kinderparteilichkeit
  6. Gemeinsame Gespräche mit dem Täter können nicht der Regelfall sein, wenn eine Frau von Gewalt bedroht ist

 

verfasst von M. Behrens und H. Schlund, 2002


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